Freitag, 2. September 2011

Das Essen und die Esskultur


Wer mich gut genug kennt, wundert sich wahrschein, warum dazu nicht als Erstes etwas verfasst wurde. Aber ich musste erstmal diesbezueglich ausreichend Erfahrungen sammeln, um ein allgemeingueltiges Statement abzuliefern. Also das Essen in HK ist prinzipiell sehr gut! Jede Malzeit besteht natuerlich aus Reis oder Nudeln als Grundbaustein und aus irgendeiner Sorte Tier und etwas (aber zum Teil auch sehr wenig) Gemuese bzw Obst. Soweit erstmal nicht ungewoehnlich. Beim Fleisch hat man aber immer das Gefuehl es ist Resteessen Tag. Absolut jede Fleischbeilage enthaelt Knochen, weil die Chinesen einfach zu faul sind oder es nie gelernt haben, wie man Fleisch richtig filetiert. Daher hacken sie nach dem Grillen/ Frittieren/ Kochen einfach alles mit ihrem riesen Beil klein und fertig. Sodass man grundsaetzlich immer im Mund mit der Zunge anfaengt rumzupopeln, um das Fleisch vom Knochen zu trennen. Alles was anschliessend nicht in den Magen soll, wird einfach auf den Tisch gespuckt - nicht in eine Schale oder auf den Tellerrand. Wenn ich bedenke, wie sauer Mutti ist, wenn ich ein Spritzer von meinem Essen auf ihrer Tischedecke landet, halte ich es fuer lebensgefaehrlich diese Esskultur in Deutschland fortzufuehren ;-) Wiederum muss aber alles kleingehackt werden, da man es ja sonst nicht, mit den Staebchen essen kann. Man findet hier in den Restaurants zu 90% nur Staebchen. Die Touristandorte haben idR auch Messer und Gabel, ist aber eher selten. Mittlerweile esse ich sogar lieber mit Staebchen, weil man dann erstens die andere Hand frei hat. Zweitens hab ich festgestellt, laesst sich damit unglaublich schnell essen (eigentlich schon eher schlingen), wenn man etwas geuebt ist. Mittlerweile bin ich sogar schneller als viele Asiaten. Aber ich quatsche natuerlich auch nicht soviel rum beim Essen, wie die anderen. Was zum naechsten Punkt bringt. Die Asiaten essen alle mit offenen Mund. Absolut abartig! Dabei ist mir auch aufgefallen, dass sie auch nicht alle den besten Zahnarzt haben. Wenn man sich dann unterhaelt kann wirklich genau sehen, wie der Reis gerade eine symbiose mit dem Huhn im Mund eingeht. Was ich auch nervig finde, wenn man was nicht versteht und daher nachfragt, wird erstmal noch ein dicker Batzen in den Mund genommen und dann weitergeredet!
Die normalen Restaurants fuer den Durchschnittbuerger sind in etwa 20-30qm gross. Da ist die Kueche schon mit drin! Alles hinter einer fettigen Glasscheibe, sodass man sieht, was der Koch zaubert, aber die Klimaanklage im Essbereich sich nicht zu Tode ackert. Was mich etwas stoert, ist der Platzmangel beim Essen. Man quetsch sich foermlich an den Tisch und muss beim Knochen-auf-den-Tisch-Spucken genau zielen, um nicht den Teller des Nachbarn zu treffen. Daher auch lieber mit Staebchen essen, weils weniger platz einnimmt. Ein Essen kostet im Schnitt 3-5 EUR, da ist ein Getraenk auch immer schon drin. Bevor das Essen kommt, werden Teller und Staebchen ausgeteilt, sowie eine grosse Schuessel und eine Kanne heissen Tee oder Wasser. Traditionell reinigt man vorher damit sein Geschirr. Natuerlich ist das Geschirr prinzipiell sauber, aber in viele Laeden wuerde sich kein deutscher Gesundheitsbeamter ueberhaupt reintrauen (ich geb zu, ich war am Anfang auch sehr geschockt, aber man hat keine guenstige Alternative und man gewoehnt sich dran). Daher das traditionelle Reinigen mit kochendem Wasser/ Tee um Bakterien abzutoeten. Die Tradition ist so weitreichend und tief verankert, dass man das sogar in noblen Restaurants vorfindet, bei denen man sich ueber die Hygiene keine Sorgen machen braucht.




‘Oh das ist sehr gesund!’ das hoer ich hier staendig und die ersten Male dachte ich, die ticken nicht rund die Chinesen. Gemuese ist hier beim Essen idR Mangelware und wenn dann auch so gekocht und labrig, dass keinerlei Vitamine ueberlebt haben. Reis und Nudeln haben kaum ueberhaubt was nahrhaftes an sich und das Fleisch ist grundsaetzlich gegrillt oder frittiert! Also was bitte soll mit gesund gemeint sein? Mittlerweile aber habe ich herausgefunden, was der Hintergrund ist. Die Chinesen haben es mit Hygiene nicht so. Also muss alles so lange gekocht oder frittiert werden, bis keine Keime ueberlebt haben. In dem Augenblick ist es natuerlich im Gegensatz zu anderem Essen sehr gesund, weils einen nicht mehr krank macht. Etwas umgekehrte Logik, die aber durchaus Sinn macht, aber auf der Suche nach gesundem Essen, nach europaeischer Definition, nicht unbedingt befriedigt.
Ich habe auch schon viele asiatische Spezialitaeten ausprobiert. Diese werden als Dim Sum bezeichnet. Das ist kein einzelnes Gericht, sondern eine Auswahl weltweit ausgezeichneter chinesische Spezialitaeten. Die einzelnen Namen kann ich mir jedoch nicht merken. Alles in allem bin ich aber begeistert. Darunter sind echt tolle Sachen, wo ich jetzt schon weiss, dass ich sie sehr vermissen werde. Wer sich dafuehr interessiert hier ein link: http://unearthingasia.com/exotic-south-east/a-rough-guide-to-dim-sum/

Was ich nicht so toll finde, sind die Huenerfuesse und Schweinehufen. Schmecken tun diese hervorragend, aber da ist verhaeltnismaessig verdammt wenig dran und man muss mehr lutschen und das stresst mich. Ausserdem bestehen Huehnerfuesse aus einzelnen kleinen Gliedern, wenn man also die Haut abgelutscht hat, zerfallen diese und man hat soviel Kleinzeug an Knochen im Mund - unschoenes Gefuehl. Das hundertjaehrige Ei (Huehnerei, wird in irgendetwas eingelegt und wird daraufhin schwarz von innen und ist aber noch semiplastisch – ist aber keine hundert Jahre alt, sieht nur so aus) hab ich auch schon mehrmals gehabt. Das gilt ja immer als vorzeige Ekligkeit des asiatischen Raums, ist aber ehrlich gesagt auch verdammt gut. Dazu gibt es aber noch ein Pendent. Ebenfalls ein Huenerei, was aber gekocht und anschliessend in Essig eingelegt wird. Der Essig ist so aggressiv, dass er die Schale vom Ei aufloesst und das Ei leicht braeunlich faerbt. Das schmeckt auf jeden Fall richtig abartig sauer!
Scharfes Essen, worauf ich mich am Meisten gefreut hab, ist hier aber unueblich. Die scharfe chinesische Kueche ist mehr im noerdlichen Teil Chinas vertreten. Aber da bin ich ja gluecklicher Weise ab morgen. Wenn man hier scharf essen will, geht man idR zum Inder oder Thailaender.
Selber kochen ist hier uebrigens nicht drin. Das Wohnheim gaebe es zwar her. Aber erstens muesste ich mir hier erstmal ein wenig Geschirr und Toepfe zulegen, das ist fuer die Allgemeinheit nicht vorhanden. Zweitens habe ich aber keine Zeit um wirklich selbst zu kochen und will ja auch die chinesische Kueche ausreizen. Drittens kosten Lebensmittel im Supermarkt bedeutend mehr als Essengehen im Restaurant. Ein Liter Kuhmilch kostet ueber 2 EUR. Ein Joghurt mit 150ml kostet 1,50 EUR! Also alle Milchprodukte und vorallem die aus Kuhmilch kosten ein Vermoegen. Das liegt zum Einen daran, dass ein Grossteil der Chinesen eine Laktoseintolleranz hat. Zum anderen aber, dass Milch aufgrund des Platzmangels importiert werden muss. Nahezu alle Produkte ausser Seafood werden importiert und machen es daher im Einzelkauf sehr teuer. Daher lohnt es sich in Restaurants zu gehen, die werden warscheinlich Mengenrabatt bekommen und koennen daher die Malzeiten guenstig anbieten. Der Ottonormalchinese geht daher auch jeden Tag ins Restaurant. Obst jedoch recht guenstig.
Mein typischer Speiseplan
Morgens: Obst! Je nach Angebot Bananen, Kiwi, Aepfel, Drachenfrucht, Melone, Grapefruit, Birne und was interessant ist, die haben viele Mischfruechte. Aepfel, die wie Pfirische aussehen und auch so eine leichte Konsistenz haben. Aepfel, die halb Birne sind. Drachenfruechte in allen Farben und Variationen und so weiter und so fort. Lange Weile kommt da nicht auf. Zum Fruehstueck auch nochmal Reis zu mampfen hab ich ausserdem kein Bock drauf!
Mittag und Abendessen: das uebliche bereits Erklaerte oder auch mal western Fastfood.
McD, BK und KFC sind hier zu 90% gleich, wie wir’s kennen. Aber das Angebot weicht doch ab und zu mal ab. Insgesamt ist es hier aber verdammt billig. Ein Menue, was in Deutschland 6-7 EUR kostet, kostet hier 2-3 EUR. Das liegt daran, dass die Preise einfach zu hoch waeren. Ausserdem moegen die Chinesen das westliche Essen nicht so sonderlich. Bei dem gleichen hohen Preis wuerden die Ketten auf Dauer pleite gehen, daher muessen sie sogar unter dem allgemeinen guenstigen Essenspreisen in HK bleiben.

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