China war ja der absolute Hammer. Jetzt versteh ich, warum die Chinesen in HK lieber HongKongers genannt werden. HK hat mit China überhaupt nichts zu tun, das sind zwei komplett andere Welten. Keine Sau versteht englisch, nicht mal Ansatzweise! Aber wir hatten zum Glück immer ein zwei Mandarinsprachige dabei. Wir waren in Shandong Dongping, das ist nochmal eine kleinere Vortstadt von Jinan (die ja eigentlich die „kleinere“ Vorstadt von Peking ist). Dort haben die Leute noch nie (also wirklich noch NIE!!!) Westerners gesehen – in mandarin heißt das dann „Gwailo“. Deshalb sind wir wirklich wie Superstars durch die Straßen gegangen. Jeder hat sich nach uns umgedreht, viele haben uns einfach gegrüßt und haben die Hände geschüttelt und sau viele wollten Fotos haben. Das war manchmal sogar so schlimm, dass wenn Leute merkten, dass man Fotos schießen lässt, kamen immer mehr und mehr, sodass man nach 15min einfach gehen musste, sonst wär man nicht mehr weiter gekommen. Und ich war der Superstar von allen, weil ich der einzige mit blonden Haaren und hellen Augen war! Das ging dann sogar soweit, dass man Babys halten musste für Fotos… echt abgefahren. Eine ältere Frau nannte mich sogar Geist, was mir einer unserer Chinesen im Nachhinein erzählte. Sie hat mich auch total geschockt angeschaut, weil sie aufgrund meiner hellen Haare, Augen und Haut wirklich dachte, dass ich ein Geist wäre!
Die gute Seite: Man brauchte die Mädels (die zum Teil verdammt hübsch waren!) nur anlächeln und mal zuzwinkern und schon waren die total aus dem Häuschen! So einfach müsste es in Deutschland auch mal sein ;-) …Aber ohne das „Erobern“ ist es nicht dasselbe, zumindest für mich.
(...Love is in the Air...)
Die Unterkünfte waren der Hammer 5 Sterne deluxe für die Sportler aus UK ;-) Zumindest sind wir offiziell unter dem Unionjack angereist, weil Arups Hauptsitz in UK ist. Supersize betten, alles Marmor, traditionelle Edelhölzer als Möbel (die Umwelt tat mir dabei schon etwas leid!).Nach dem Training und dem Rennen selbstverständlich eine Masseuse. Das chinesische Massieren ist aber nicht so endspannend. Ehrlich gesagt ist es mit sehr viel Schmerzen verbunden zumindest in dem Augenblick und den restlichen Abend. Aber am nächsten Morgen geht’s einem erstaunlich gut, kein Muskelkater, keine Verspannungen mehr und das war ja der eigentliche Hintergrund.
Das Rennen:
Wie ich anfangs vermutete waren wir (ums noch nett auszudrücken) sau miserabel. Aber die Konkurrenz war auch echt spitze. Da waren Teams aus Malaysia und Taiwan, die haben ihre eigene Carbonpaddel mitgebracht! Die Teams aus China waren aus Fischern besetzt, die den ganzen Tag auf dem Meer paddeln und auch so aussehen. Da kann der Bürostuhldreher, der selbst den Kaffee an den Tisch bekommt, natürlich nicht mithalten. Also an für sich keine Schande, den Topkandidaten nicht das Wasser reichen zu können und daher nur den 11. von 12 Plätzen zu belegen.
Ich sah das eh mehr als Urlaub, von daher hat’s mich nicht groß gekratzt. Die Zusammenfassungen des chinesischen Fernsehens findet ihr hier (ich bin auch ab und an zu sehen und mein Kollege Al gibt kräftig Interviews):
Tai Mountain:
Die Wanderung war noch ein internationales Rennen auf den Gipfel (3000m und 7000 Treppenstufen) mit rund 10.000 Teilnehmern. Mein Kollege hat das auch Ernst genommen und hat erstaunlicherweise nach 1h und 58min den 4. Platz belegt und eine Prämiere von knapp 300 EUR gewonnen. Ich und eine Freundin gingen das eher relaxter an. Auf dem Weg waren immer kleine Souvenirshops an denen wir immer halt machten und shoppten, Eis und Melone aßen. Ab der Hälfte hatten wir keine Lust mehr und haben die Seilbahn genommen und waren dann nach 4h oben ;-) Der Ausblick war der Hammer, die Fotos bekomm ich aber noch, weil meine Kam dann leider keinen Saft mehr hatte. Aber Yanis hat kräftig für mich geschossen.
China Mainland:
Kommt einem vor wie eine riesige Baustelle. Überall Dreck, Kräne, halbfertige Häuser. Die Fahren wie die besengten Säue, daher hatte unser Reisebus, der uns in Dongping durch die Gegend kutschierte auch immer eine Polizeieskorte (aber selbst die fuhr wie der Henker!). Polizei gibt’s da ja auch wie Sand am Meer. Der Hotelchef wurde auch jeden Morgen in einem Streifenwagen zur Arbeit gefahren… das hatte schon fast mafiöse Verhältnisse angenommen. Richtige Triaden hab ich aber leider nicht zu Gesicht bekommen (also nicht bewusst), aber die Wäscherein gibt’s da wirklich etwas zu oft meiner Ansicht nach. Die Städte sind auch sonst extrem vermüllt, die Leute lassen einfach alles fallen, wo sie gerade stehen. Es gibt Keinen, der das wegräumt – also das genaue Gegenteil zum extrem sauberen HK. Selbst das Essen ist auch nochmal eine Stufe härter. Sieht optisch so aus, wie das in HK, die hauen aber an alles Essig ran oder extrem viel Sojasoße. Reis gibt es im Restaurant kaum (gehört ja nicht zum guten Ton, sondern ist am Ende der Mahlzeit nur noch der Sattmacher). Daher war das manchmal echt schwer. Zumal es Frühstück, Mittag und Abendessen immer dieselben Buffets gab… das war nach fünf Tagen echt die Hölle und ich hatte mich skurilerweise total auf das Essen in HK gefreut ;-) Allerdings bekam ich endlich auch mein scharfes Essen und holla die Waldfee, das war echt verdammt scharf, aber zum Teil auch verdammt geil!


